Andrea Heinzer baut beim SRK Kanton Schwyz Brücken zwischen Generationen –
und öffnet Türen in die Berufswelt
Wer mit Andrea Heinzer spricht, spürt schnell: Hier arbeitet jemand nicht einfach einen Auftrag ab. Hier brennt jemand für Bildung. Seit 2023 leitet die 39-Jährige den Bereich Bildung & chili beim SRK Kanton Schwyz – und versteht ihre Aufgabe als echte Herzensangelegenheit. «Wenn Menschen durch Wissen fürs Leben wachsen, bin ich glücklich», sagt sie.
Vom Pflegebett ins Bildungsbüro
Der Umgang mit Menschen wurde ihr in die Wiege gelegt. 2009 schloss sie ihre vierjährige Ausbildung zur Pflegefachfrau HF ab und arbeitete im Spital Schwyz. Eine Führungslaufbahn reizte sie nicht: «Ich fühlte mich in der Nähe der Patienten wohler.»
2013 wurde sie Mutter, reduzierte ihr Pensum, drei Jahre später folgte das zweite Kind. 2018 widmete sie sich ganz der Familie. Doch wer Andrea Heinzer kennt, weiss: Stillstand liegt ihr nicht.
Seit dem Jahr 2014 ist Andrea Heinzer gemeinsam mit ihrem Mann als Hauswartin tätig und hilft auf dem Bauernhof der Familie tatkräftig mit. «Anpacken liegt mir im Blut.» Gleichzeitig engagierte sie sich in verschiedenen Vereinen in Ibach.
2021 übernahm sie beim SRK die Kursleitung des Babysitting-Kurses SRK, zwei Jahre später die Gesamtleitung der Abteilung Bildung. «Es war ein Luxus, das Netzwerk und die Erfahrung meiner Vorgängerin übernehmen zu können.» Bald zeigte sich jedoch: 60 Prozent reichen nicht für 80 Kurse pro Jahr. Im Rahmen einer Neuorganisation und der Übernahme der Abteilung chili in die Abteilung Bildung erhielt sie Unterstützung in der Administration Bildung.
80 Kurse, ein Ziel: Menschen stärken
Das neue, 60-seitige Bildungsprogramm 2026 zeigt die ganze Bandbreite: vom Lehrgang Pflegehelfende SRK über Weiterbildungen in Pflege und Betreuung, Angebote für betreuende Angehörige bis zu Jugendkursen in Sexualkunde und dem Babysitting-Kurs SRK. Neu hinzugekommen sind Elternkurse zur Stärkung von Kindern. Das chili-Konfliktpräventionsprogramm wird mehrheitlich in Schulen angeboten, kann jedoch auch für Vereine, Firmen und weitere Institutionen gebucht werden. Nicht im Angebot sind Nothelferkurse – diese führen die Samaritervereine durch.
Die Abteilung Bildung ist eduQua:2021-zertifiziert nach SQS, einem anerkannten Schweizer Qualitätslabel für Weiterbildungsinstitutionen. Die Zertifizierung stärkt die Marktposition, schafft Vertrauen und unterstreicht die Qualität – auch gegenüber Behörden.
Generationen am selben Tisch
Ein besonderes Projekt liegt Andrea Heinzer am Herzen: das «Digitalkafi». Seniorinnen und Senioren lernen dort kostenlos und in entspannter Atmosphäre den Umgang mit digitalen Geräten. Ohne Druck, ohne Hektik. Das Besondere: Jugendliche helfen mit. So entsteht ein Dialog zwischen Generationen – und gegenseitiger Respekt.
Vernetzt im ganzen Kanton
Die Leitung Bildung & chili bedeutet weit mehr als Kursplanung. Andrea Heinzer organisiert Räume, entwickelt mit Kursleitenden Inhalte und definiert Lernziele. Sie produziert Informationsmittel und ist verantwortlich für die Vermarktung der Abteilung Bildung. Sie pflegt den Austausch mit nationalen und regionalen SRK-Verbänden sowie Partnerorganisationen. In ihrem Bereich arbeitet sie mit Stiftungen, Gymnasien, Schulleitungen und Jugendlichen zusammen. Eng ist der Kontakt zu Kanton und Politik, zu Schulen, Altersheimen, Spitex-Organisationen, Curaviva, Präventionsarbeitsgruppen, Polizei und der Gesundheitsregion March. Ihr Ziel: Weiterbildung der Schwyzer Bevölkerung im Rahmen unserer Dienstleistungen.
Viel Handarbeit hinter den Kulissen
Bereits im Spätsommer startet die Planung fürs Folgejahr. Rund 80 Kurse müssen koordiniert, auf der Website aufgeschaltet, in Flyern beworben und im Katalog visualisiert werden. Vieles geschieht noch in Handarbeit. Auch Inserate akquiriert das Team selbst und rechnet sie bei positiver Rückmeldung direkt ab. Das SRK Kanton Schwyz gehört zu den wenigen Verbänden, die ihr Kursangebot noch kompakt in einem umfassenden Katalog präsentieren – nicht nur mit einzelnen Flyern.
Geworben wird über Social Media, Mailings an Heime und Schulen, Postversände an Institutionen, Empfehlungen durch freiwillige Fahrer, Pflegehelfende SRK und ehemalige Kursteilnehmende. In allen Regionalzeitungen erscheinen Vereinsmitteilungen. Über Curaviva werden Pflegeheime erreicht, mit dem Konfliktpräventionsprogramm chili gezielt Schulleitungen und Lehrpersonen.
MiCura: Ein Projekt mit Signalwirkung
Besonders gefragt ist der Lehrgang Pflegehelfende SRK. Gemeinsam mit dem Amt für Migration und dem Berufsbildungszentrum BBZ Pfäffikon entstand das Projekt MiCura. Menschen mit Migrationshintergrund werden als Pflegehelfende SRK und in Deutsch ausgebildet – finanziert über die Gemeinden. Unterricht und Prüfungen finden in Standardsprache Deutsch auf Niveau B1 statt. 2025 bestanden 14 Teilnehmende, 11 davon erhielten eine Festanstellung.
«Es ist eine grossartige Leistung, Menschen aus der Sozialhilfe in die Eigenständigkeit zu begleiten und ihnen Mut für diesen schönen Beruf zu machen», sagt Heinzer.
Die zweite Projektklasse besteht aus Teilnehmenden aus mehreren Nationen – unter anderem aus Afrika, Osteuropa, Südamerika oder Russland – und verfügt über die Schutzstatus S, B oder F. MiCura ist ein gemeinsames Projekt mit dem Kanton Schwyz (Amt für Migration) und dem Berufsbildungszentrum BBZ Pfäffikon – schweizweit einzigartig.
Seit dem 23. Oktober 2025 gilt für Personen mit Schutzstatus S bei Stellenantritt eine Melde- statt Bewilligungspflicht. Der Status ist bis März 2027 verlängert; danach kann eine B-Bewilligung folgen. Personen mit B- und F-Ausweis dürfen in der ganzen Schweiz arbeiten.
«Jeder nimmt etwas fürs Leben mit»
Was treibt sie an?
«Ich möchte motivieren und das Bildungsangebot weiter ausbauen. Jeder Absolvent kann etwas vorweisen – und nimmt Wissen fürs Leben mit.»
Vielleicht ist es genau das, was ihre Arbeit auszeichnet: Sie vermittelt nicht nur Kurse. Sie eröffnet Perspektiven.
Mehr:
https://www.srk-schwyz.ch/angebote/weiterbildungen-beim-srk-kanton-schwyz
10.03.2026
Axel B. Bott für das SRK Kanton Schwyz