Interview mit Dr. med Georg Schuler

Mit Freude miteinander füreinander

Das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Schwyz im Gespräch mit Dr. med. Georg Schuler, Präsident von 1984 bis 2004 und heute Ehrenmitglied.

Herr Schuler, was erwartete Sie, als Sie zum Schweizerischen Roten Kreuz, Sektion Schwyz, kamen und sich engagierten?

Mein Vorgänger Dr. med. Leopold Gemsch, ebenfalls praktizierender Hausarzt in Schwyz, suchte eine jüngere Kraft für den Vorstand. Ich hatte damals keine Ahnung von den vielfältigen Tätigkeiten des SRK und seinen Strukturen und nur wenig von der Vorstandsarbeit miterlebt! Ich brauchte danach 2 Jahre, bis ich mich in den kantonalen und nationalen SRK-Gremien einigermassen zurechtfand.

«Die Basis des SRK war die Unterstützung der Bevölkerung, medizinische Dienste in Anspruch nehmen zu können. Wesentliche Leistungen entstanden aus medizinischer Notwendigkeit.»

Herr Schuler, durch Sie hat der SRK-Kantonalverband Schwyz neue, zeitgemässe Strukturen erhalten und der Schwyzer Bevölkerung wurden neue, gesundheitliche Dienstleistungen ermöglicht.

Ja, das war aber nur teilweise mein Verdienst! Mein Glück war, in einem sehr initiativen und engagierten Vorstandsteam zu arbeiten. Dazu kam der intensive Austausch mit unseren Nachbarsektionen Luzern, Uri, Unterwalden, Zug und später auch Zürich. Diese Kantonalverbände hatten bereits in den Jahren zuvor eine Palette von Dienstleistungen für die Bevölkerung aufgebaut, wovon wir profitierten.
Gut bewährte und gefragte Dienste wurden unverändert weitergeführt, beispielsweise von Frau Maria Ulrich, die über 30 Jahre lang die Carfahrten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, zusammen mit den Alters- und Pflegeinstitutionen im Kanton Schwyz, organisierte.

Oder Frau Vreni Werner: Sie wirkte bereits seit 2 Jahren als sehr kompetente und erfahrene Krankenschwester (Pflegefachfrau) als Leiterin des Kurswesens. Sie und weitere junge Kräfte ergänzten den Vorstand. Mit Frau Edith Vogt erfolgte dann die Neuorganisation des Rotkreuz-Fahrdienstes und des SRK-Notrufs sowie dessen Ausbau im inneren und äusseren Kantonsteil. Mit Frau Daniela Forni folgte der Aufbau des «chili»-Konflikttrainings für Schulen und Institutionen. Wie Sie sehen, waren es vor allem die engagierten Frauen, die das SRK Kanton Schwyz erneuerten.

«Mit dem Ausbau unserer Dienstleistungen stieg auch der Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung und die Mitgliederzahlen nahmen zu.»

Diese Dienstleistungen wurden im Vorstand besprochen, genehmigt und durch die Ressortleitungimplementiert. Dabei half der enge Austausch mit den Nachbarsektionen nach dem Grundsatz: Bewährtes übernehmen, auf die eigenen Bedürfnisse anpassen und weiterentwickeln; Eigeninitiative fördern.

Wie bewältigten Sie mit dem steten Ausbau der Leistungen auch den administrativen Aufwand?

Administration ist wichtig, ja, und uns war im Vorstand klar, dass sich das SRK Kanton Schwyz professionalisieren musste! Obschon alle Ressortleitungen auf ihrem Gebiet Profis waren, brauchte es in der Koordination mehr Effizienz. Mit Frau Silvia Annen konnten wir eine Teilzeitkraft für die Administration finden. Nach einigen Jahren wurde sie durch Vreni Kamber abgelöst, welche Geschäftsführerin wurde.

In meiner Arztpraxis hatte ich glücklicherweise ein grösseres Zimmer frei, das ich dem SRK als Sektionsbüro gratis zur Verfügung stellte. Dringende Angelegenheiten liessen sich so, auch ausserhalb der Vorstandssitzungen, unkompliziert besprechen und regeln. Darüber hinaus konnte ich, mit Glück, sehr engagierte und selbstständige Personen für das SRK begeistern, etwa den Rheumatologen und Kollegen Dr. Werner Bamert. Ihm gelang es, eine wichtige Lücke in der Schwyzer Gesundheitsversorgung zu schliessen. Mit seinem Aufbau der Ergotherapien an den Spitälern Schwyz und Lachen konnten endlich Patienten therapiert werden. Dies war zuvor finanziell nicht möglich. Doch nach erfolgtem Aufbau übernahmen die Spitäler den bewährten Dienst wieder selbst!

Wie meisterten Sie das Problem der Finanzierung des erweiterten Fachpersonals?

Gute und mit Freude geleistete Arbeit findet ihre Anerkennung und Finanzierung. Mit dem Ausbau unserer Dienstleistungen stieg der Bekanntheitsgrad und die Verankerung in der Bevölkerung. Die Mitgliederzahlen nahmen zu. Die finanzielle Verantwortung hatte ich vertrauensvoll unserem Kassier Anton Real übergeben, einem ausgewiesenen Finanz- und Buchhaltungsfachmann! Dank ihm und unserer festen Überzeugung kamen wir in allen Jahren meiner Präsidentschaft ohne Defizite über die Runden!

Im Weiteren wurde unser Vorstand durch Richard Kälin, Rechtsanwalt in Pfäffikon, verstärkt. Durch ihn waren Verträge mit Spitälern, Mitarbeitenden, Versicherungen, Haftpflichten beim Fahrdienst etc. stets gut abgesichert! Alle Vorstandsmitglieder erfüllten ihre Arbeit, unabhängig vom Aufwand, immer ehrenamtlich ohne jede finanzielle Vergütung. Dies galt auch für mich als Präsident. Unser Lohn war die gute Kameradschaft und Zusammenarbeit im Vorstand und die gemeinsame Freude am Aufbau und Gedeihen des SRK Kanton Schwyz sowie die positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung. Unsere Nähe zu Kunden und Partnern war offen, unkompliziert und herzlich. An diese Beziehungskultur denke ich gerne zurück.

«Wir alle vom SRK Kanton Schwyz waren einhellig der Überzeugung: Sehr gute und mit Freude geleistete Arbeit findet immer die nötige Anerkennung, auch in den Finanzen.»

Wie empfinden Sie den Erfolg im Nachhinein und wohin geht die Entwicklung?

Ich bin meinem Nachfolger Franz-Xaver Dettling in grosser Dankbarkeit verbunden. Er konnte meine Arbeit zusammen mit seinem Team sehr
erfolgreich weiterentwickeln. Die zunehmende Digitalisierung und Industrialisierung der sozialen und humanitären Hilfe ist problematisch. Schnell begrenzen sich die Blickwinkel, die Entfremdung nimmt zu und die Nähe zu den Kunden geht verloren. Eine überbordende Betriebsökonomie führt zum Verlust von Menschlichkeit und Mitgefühl.

Umso mehr freut es mich, wenn im SRK Kanton Schwyz die Zeichen der Zeit erkannt und offen diskutiert werden. So gelingt es auch bei rauhem
Wind, das Schiff des SRK Kanton Schwyz auf Kurs zu halten; den Kompass ausgerichtet auf das soziale und humanitäre Engagement im freiwilligen Miteinander und Füreinander!