Interview mit Franz-Xaver Dettling

Mit Herzblut für euch da – SRK Kanton Schwyz

Das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Schwyz im Gespräch mit Franz-Xaver Dettling, dem ehemaligen Präsidenten (von 2004 bis 2017) und heutigen Ehrenmitglied.

Herr Dettling, seit Jahren erleben Sie das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Schwyz mit dem Blick als Aussenstehender, hatten Sie doch 13 Jahre lang entscheidend die Politik und den Erfolg unseres Verbands mitgeprägt. Wie nehmen Sie das Wirken unseres Verbands für die Bevölkerung des Kantons wahr?

Franz-Xaver Dettling:
Im zweiten Jahr meiner Präsidentschaft 2005 feierte der Verband sein 110-jähriges Jubiläum. Ich hatte die Ehre, eine Chronik zusammenzustellen, die am 18. Januar 1895 beginnt und, neben sich entwickelnden Fakten, besonders auf geschichtliche und zeitgeistliche Ereignisse Bezug nehmen konnte. Entstanden ist das SRK aus Aktivitäten der Samariterhilfe und dem Beistand bei Unglücksfällen. Seitdem zieht sich, bis heute, die humanitäre Hilfe für bedürftige Menschen als roter Faden fort.

Inzwischen feiert das SRK Kanton Schwyz sein 130-Jähriges, was als solide Basis für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung gilt. Daran hat sich, von Anbeginn bis heute, nichts geändert. Natürlich sind wir in den Jahren dazwischen nicht stehen geblieben, sondern haben uns bewusst in den Dienstleistungen weiterentwickelt. Ich betone den Begriff Dienstleistungen, denn wir hatten uns schnell als Versorger verstanden, der wie ein Unternehmen auf seine Hauswirtschaft und verfügbaren Mittel achtet.

«Entstanden ist das SRK aus Aktivitäten der Samariterhilfe und dem Beistand bei Unglücksfällen.»

Darin sah ich auch mein Hauptaugenmerk, die Leistungsfähigkeit des Verbandes zu erweitern. Ich denke an:

  • die Einführung von «chili», dem Programm zur Gewaltprävention an Schwyzer Schulen
  • Kinderbetreuung zu Hause in Notsituationen
  • Demenzbetreuung zu Hause
  • den freiwilligen Besuchs- und Begleitdienst
  • Gründung der Zweigstellen Küssnacht (2013) und Einsiedeln (2017)

Schauen Sie, ich war in der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) aktiv. Diese ist zuständig für die Umsetzung der aussenpolitischen Strategie der Schweizerischen Eidgenossenschaft in den Bereichen humanitäre Hilfe, globale und regionale Entwicklungs- und Ostzusammenarbeit. Das motivierte mich, nicht nur in internationalen Projekten zu wirken, insbesondere in Bulgarien, sondern auch den Verband finanziell auf Linie zu bringen. Er sollte mindestens die Kostenlast eines Jahres als Rücklage besitzen. Als ich das Präsidium übernahm, lag der Kassenbestand bei CHF 1,1 Mio., als ich ausschied bei CHF 3,5 Mio.

«Es ist wichtig, dass man nach Zielvorgaben handelt und dass dazu Mittel vorhanden sind.»

Es ist wichtig, dass man nach Zielvorgaben  handelt und dass dazu Mittel vorhanden sind. Unter anderem war ich 4 Jahre im Geschäftsführenden Ausschuss der KVK Konferenz der Kantonalverbände tätig.

Mein Eindruck ist, dass wir zu meiner Zeit ein super Team hatten, das ein aktives Miteinander nach innen und aussen pflegte. Unser Erfolg motivierte das Team, die Öffentlichkeit sowie die Unternehmen, welche uns grosszügig mit Spenden und Legaten ihre Unterstützung ermöglichten.
Ich erachte es als wichtig, dass man die Stärken des Verbands von aussen wahrnimmt. Diese Aufgabe, draussen für unsere Anliegen zu werben, habe ich stets gerne erfüllt. Dabei sollte humanitäre Hilfe selbstverständlich sein und mit Freude gelebt werden.

Ich hatte grosse Freude mit und im Team, wir hatten eine richtig herzliche und aufgestellte «Mannschaft», unsere Frauen und Männer zogen an einem Strick. Wir genossen einen sehr guten Ruf, was die Stärke unserer Freiwilligen ausmachte. Das sollte ein oberstes Anliegen sein, neben der fachlich semiprofessionellen Hilfe, mit Motivation die «Kunden» zu begeistern. Sei es im Fahrdienst, in der Notfallhilfe oder in den Kursen und weiteren Dienstleistungen.

«Eine weitere Säule des Erfolgs sehe ich in der konsequenten Medienarbeit. Diese war bereits zu unserer Zeit das A und O. Die Bevölkerung sollte wissen, was läuft!»

Das humanitäre Geschäft braucht Orientierung und Vertrauen. Nur so lässt sich Nachwuchs gewinnen und eine breite Hilfsbereitschaft sicherstellen.

Das SRK Kanton Schwyz hat grosse Herausforderungen zu meistern, mit den guten Mitarbeitenden wird das auch gelingen. Ambitioniert sollten sich auch Aktionen des IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes), des nationalen Roten Kreuzes und der kantonalen Verbände koordinieren lassen, da hat es eindeutig Nachholbedarf, sich überschneidende Aktionen ohne Bezug sind wenig zielführend.

«Ich sehe es als absolut dringlich an, den Aspekt der Menschlichkeit nach vorne zu stellen, weil unsere Gesellschaft anonymisiert, der Zusammenhalt erodiert und die digitale Welt die zwischenmenschliche Kommunikation zu erübrigen scheint.»

Zusammenfassend sehe ich die Aufgaben des SRK in der Präsenz vor Ort, die der Bevölkerung zeigt: Wir sind für euch da!
Damit stehe ich auch hinter der Aussage: Schweizerisches Rotes Kreuz Kanton Schwyz. «Schwyz – das sind wir.»